• Lilli

Teil 3: Ein Stück Seife verändert mein Leben - Ein Schreck mit Folgen.

Teil 1 Der Anfang

Teil 2 Meine Aleppo-Seife


Meine Entdeckungsreise durch die Seifenwelt hat mich mit vielen Themen konfrontiert, die mich aufgerüttelt haben. In dem Moment, wo ich wissen wollte, was meine neue, tolle Seife hat, was die anderen nicht haben, erlebte ich auch gleichzeitig einen Schock. Ich stellte mir die Frage andersrum:

Was haben die anderen Seifen, was sie von meiner Alepposeife unterscheidet?


Die Antwort war ganz einfach – Palmöl. Ja klar, das sind mehr Inhaltsstoffe, als nur Palmöl. Aber mir fiel das Palmöl auf.


Palmöl

Palmöl wird aus dem gelblich bis orangefarbenen Fruchtfleisch gewonnen. Kurz vor der Ernte ist der Ölgehalt der Früchte am höchsten: Dann beträgt er zwischen 45 und 50 Prozent. Nach der Ernte werden die reifen Früchte sterilisiert und gepresst. Dabei entsteht das rohe Palmöl (Crude Palm Oil, CPO).

Palmöl vereinigt viele positive Eigenschaften: Es weist bei Zimmertemperatur eine feste Konsistenz auf, muss also nicht chemisch gehärtet werden. Darüber hinaus ist es geschmacksneutral, sehr hitzestabil, extrem haltbar und macht Lebensmittel besonders streichfähig. Diese Eigenschaften erklären, warum Palmöl in Margarine, Fertigprodukten, Back- oder Süßwaren gleichermaßen verwendet wird. Zudem wird Palmöl auch für die Herstellung von Kerzen, Kosmetikprodukten oder Waschmittel genutzt. Aufgrund dieser einzigartigen natürlichen Eigenschaften lässt sich Palmöl daher kaum durch andere Rohwaren ersetzen.

Beinahe 70 Prozent des weltweit produzierten Palmöls werden in der Lebensmittelproduktion eingesetzt. Weitere fünf Prozent werden als Bioenergie genutzt. Die restlichen 25 Prozent finden sich in Kosmetikprodukten, Waschmitteln, Kerzen oder als Schmierstoffe in der Industrie.


Klingt eigentlich positiv oder? Dabei könnte ich es lassen und mich freuen, so ein tolles Produkt zu benutzen. Aber nein, das reichte mir nicht, weil es um die Natur ging! Und Natur war schon immer mein Thema.


Wenn es so viel Palmöl in der Welt verwendet wird, wo kommt diese wahnsinnige Menge her (im Jahr 2019 insgesamt rund 62,3 Millionen Tonnen)?


Und auch diese Antwort war ganz einfach: Man vernichtet die Urwälder in Indonesien, Malaysia, Südamerika und Afrika, mittlerweile auch in Ecuador und Peru – alles nur für die Ölpalme!


Warum vernichtet man die Lungen unseres Planeten?

Damit ich mir zum Frühstück die Scheibe Brot mit Margarine oder Nutella schmieren kann? Ich esse beides nicht, aber ich benutze viele andere Sachen, wo Palmöl drin steckt. Und irgendwie kam mir das äußerst seltsam vor – damit ich hier im Überfluss lebe, werden irgendwo am anderen Ende der Welt die Wälder samt Tieren verbrannt und die ganze Ökologie vernichtet.


Genau, die Ökologie, der Kreislauf des Lebens! Das schockierte mich.


Beim Anbau von Ölpalme muss der Boden künstlich entwässert werden, weshalb es zum Bau von Kanälen kommt. Der Urwaldboden ist feucht und bindet somit neben Nährstoffen auch CO2. Die Wurzeln der Bäume halten den Boden und der Abfall von Pflanzen bildet eine Humusschicht. Wenn all die Bäume weg sind, trocknet alles aus und die Sonne mit dem Wind sorgt zusätzlich für Erdrutsche, CO2 wird freigesetzt.


Die Ölpalme wächst unter anderen Bedingungen als die Pflanzen im Urwald, deshalb werden alle möglichen Dünger bis hin zu Antibiotika eingesetzt, damit die Plantage ca. 25 Jahre dicke Erträge umsetzen kann.


All die Düngermittel und Pestizide, die nötig sind, weil es ja eine Monokultur auf Millionen Quadrat-Kilometern ist, landen erst im Boden und dann in den Entwässerungs-Kanälen. Dabei speichert der Boden das ganze Gift, das dort ca. 50 Jahre bleibt und alles tötet, was nach Leben aussieht.


Wenn dieses verseuchte Wasser aus den Plantagen durch die Kanäle in die Flüsse kommt, was kann dort überleben?


NICHTS!

Das Wasser in den Flüssen, folglich auch das Grundwasser werden automatisch vergiftet. Ohne gesundes Wasser gibt es kein Leben, weder für Fische und Co., noch für den Menschen!

Aber irgendwie müssen ja die Menschen etwas trinken. Tja, die Rettung ist ja das Wasser aus den Kunststoffflaschen.

Kunststoffflaschen, die nicht recycelt werden, sondern einfach wieder im Wasser landen - das ist ein weiteres, globales Problem, das kein Ende nimmt.


Das oben Beschriebene passiert auf dem anderen Ende der Welt.


Was passiert aber bei uns?

Wenn Palmöl z. B. zur Seife verarbeitet wird, müssen viele chemische Stabilisatoren und Schaumbilder eingesetzt werden, die neben dem Esther vom Palmöl dann in unserem Abwasser landen. Und das schaffen unsere Klärwerke auch nicht mehr. Also landet das auch in unserem Grundwasser.


So schließt sich der Kreis – die ganze Welt wird von diesen Auswirkungen betroffen.


Wir importieren uns also einen großen Teil der Probleme und sind gleichzeitig mitverantwortlich für die Probleme in anderen Ländern!

Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Bilder und Berichte, die ich gesehen und gelesen habe, gingen mir unter die Haut…


WARUM SCHREIBE ICH DAS ALLES?


Weil ich nicht mehr schweigen kann!

Das Wissen ist für alle da. Ich will keinen belehren, sondern einfach zeigen, dass es jedem möglich ist, die Umwelt zu entlasten und das eigene Leben einfacher zu gestalten.

Über Palmöl gibt es unzählige Bücher, Beiträge, Filme, Berichte usw. Es gibt Menschen, die darüber sehr gute Vorträge halten können. Ich kann das nicht.

Das, was ich kann – meine Lebenseinstellung ändern und das gewonnene Wissen umsetzen.


Ich betrachte mich als ein Teil vom Ganzen. Und wenn ich das Palmöl benutze, bin ich auch mitschuldig an der globalen Klimakatastrophe. So sehe ich das.


Wir buddeln in der Erde, so tief wie ein Mondkrater, vernichten unsere Orte, Natur und die eigene Geschichte. Stichwort Braunkohle/Garzweiler. Hier habe ich gar keinen Einfluss darauf, ohne Strom kann ich persönlich nicht leben, ABER - ohne Palmöl. Aus dem Wahn Palmöl steige ich aus! Ich unterstütze das nicht mit meinem Geld. Das ist das Mindeste, was ich tun kann und auch wenn ich ganz allein wäre, hätte ich das trotzdem getan.


Ich verzichte:

· auf die Nahrungsprodukte mit Palmöl

· auf die Seife und Kosmetik mit Palmöl

· auf die Putzmittel mit Palmöl

· auf die Kerzen mit Palmöl


Einst hat mir den Anstoß ein besonderer Mensch gegeben, der sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Und weil mein Leben dadurch viel einfacher geworden ist, möchte ich diesen Staffelstab auch weitergeben an diejenigen, die vielleicht etwas in ihrem Leben bewegen möchten.

Die Umsetzung ist gar nicht so schwer wie man denkt!


Die Blogreihe geht weiter.

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