• Lilli

Mein „Borneo“

Ein guter Freund von mir erzählte mir über seine Reiseerlebnisse auf Borneo. Ich sah seine Bilder: Gerodeter Dschungel, verbrannter Boden, wo auch die Tiere ihren Tod fanden; die Orte, voller Rauch und das tat mir sehr leid. Warum macht man das? Die Antwort ist einfach – Palmöl! Palmöl bringt Geld. Man vernichtet das Ökosystem zu Hause, eigene Heimat, um die Ölpalme für den Westen und die übrige Welt anzubauen. Diese bildhafte Geschichte hat mich innerlich sehr aufgewühlt und gab mir einen riesen Anstoß, meine eigene Lebensweise zu überdenken, sie zu ändern.


Mein „Borneo“ ist Braunkohletagebau Garzweiler von RWE Power. Das Gebiet ist unheimlich groß und erstreckt sich zwischen den Städten Bedburg, Grevenbroich, Jüchen, Erkelenz und Mönchengladbach in NRW.

Dieses Bild stammt aus dem Internet.

Jedes Mal, wenn ich da vorbei fahre, blutet mein Herz! Das ist eine Wüste, die unersättlich ist und alles Lebendige verschluckt. Vor kurzem sah ich dort am Abgrund eine kleine Dorfkirche stehen, sie trotze noch aus aller Kraft, jetzt ist sie nicht mehr da. Die ganzen Orte sind verschwunden. Und ich war in so einem Ort Otzenrath zu Besuch, kurz bevor es aufgegeben wurde. Die leeren Straßen, die leeren Häuser, wie in einem falschen Film. Otzenrath, mittlerweile Alt-Otzenrath. Seit Ende 2011 gibt es ihn nicht mehr, wie auch andere Orte in der Gegend.


Was fühlt ein Mensch, wenn er zusehen muss, wie seine Heimat vernichtet wird? Alle Erinnerungen, die man mit eigener Heimat verbunden hat, bleiben plötzlich in der Luft hängen und auf der neuen Karte entsteht ein Loch. Das Heimatgefühl kann man mit keinem Geld und keinen materiellen Güter ersetzen.


Heute in lokalen Nachrichten hörte ich „Es ist so trocken, wie schon lange nicht“. Warum wohl? Ich habe vor Augen diese beängstigende Mondlandschaft mit einem Krater, der bis zum Horizont reicht. Der Staub von Kohle und Boden fliegt durch die Luft und wird kilometerweit vom Wind getragen.


Letzte Zeit ist bei uns in der Region viel trockener und sehr windig geworden. Ja, der Klimawandel. So ein künstlich ausgebaggerter Krater speichert tagsüber sehr viel Wärme und gibt sie nachts ab. Dunkle Kohle zieht Hitze an. Auch nach dem Regen kann der Boden keine Feuchtigkeit mehr speichern. Grundwasser gibt es gar nicht mehr.


Karge Landschaft erstreckt sich weit und breit, und weil man da keine Bäume hat, kann sich der Wind ohne Hindernisse auf seinem Weg bis zu einem Sturm entwickeln. Und dieser Sturm führt dazu, dass die Menschen noch mehr Bäume fällen, weil diese Bäume eine Gefahr darstellen. Das erlebe ich in meiner Stadt Mönchengladbach! So viele Bäume, wie in den letzten 3 Jahren, wurden noch nie gefällt: Reihenweise in Parks, ganze Strecken an der Autobahn…


Der Grund dafür sind die Profitgier und die Macht, diese Gier zu füttern. Mit der produzierten Menge an Strom/Energie versorgt Deutschland nicht nur eigene Bevölkerung, sondern auch andere Länder. In meinem Haushalt ist der Energieverbrauch nicht sonderlich gestiegen, ich brauche nicht noch mehr Strom!


„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

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